Kinder mit einer Störung in der Geschlechtsentwicklung (disorder of sex development))Gender identity
Identity wird im einführenden Text erklärt: „Identity refers to our sense of who we are, both as individuals and as members of social groups“.
Diese Definition kann man auch für andere Bereiche des Lebens verwenden: für den sozialen Status, den man hat und für die Nationalität und/oder Kultur.
Dann kommt der Versuch, gender identity zu erklären: „Gender identity refers to a person’s deeply felt, internal and individual experience of gender, which may or may not correspond to the person’s designated sex at birth.“
Gut, aber was ist „gender“? Das wird nirgends erklärt. Zumindest erkennen die Autoren an, dass es so etwas wie „sex“ gibt, aber dieses „sex“ (Geschlecht) soll „designated“ sein, also „zugewiesen“.
Ist das so? Bei 99% der Neugeborenen wird das Geschlecht lediglich festgestellt, und selbst Menschen mit Varianten bzw. Störungen der Geschlechtsentwicklung (DSD) sind entweder weiblich oder männlich.
Was ist gender?
Gender auf Englisch hat mehrere Bedeutungen. Eine ist einfach nur Genus, also das grammatikalische Geschlecht in einer Sprache, das auf Deutsch dreigliedrig ist: sächlich (das Haus), weiblich (die Sonne) und männlich (der Tisch).
So steht es noch im Cambridge-Wörterbuch English-German
Aus dieser Bedeutung hat sich die sogenannte Genderlinguistik entwickelt, die sich mit geschlechtsspezifischen Varietäten der Sprache beschäftigt.
Eine zweite Bedeutung: Geschlechterrollen. Bis in die 80-90er Jahre hinein hat man den Begriff gender in der Soziologie und in der feministischen Analyse verwendet, um die sozialen Rollen zu beschreiben, die jedem Geschlecht zugeschrieben werden und die für Männer anders sind als für Frauen.
Diese Definition kommt noch im Artikel 3 des „Übereinkommens des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen“, der sogenannten Istanbul-Konvention, vor:
„Gender is defined as the socially constructed roles, behaviours, activities and attributes that a given society considers appropriate for women and men.“
Diese „constructed roles“, deren Abschaffung die Istanbul-Konvention fordert, sind für beide Geschlechter ein Käfig, für Frauen aber noch einengender als für Männer, wobei sich Frauen im Westen davor eher befreit haben als in anderen Gegenden der Welt.
Leider hat sich in der englischen Sprache die Verwechslung von „gender“ und „sex“ eingeschlichen und fast durchgesetzt, und manchmal wird „gender“ im Sinne von Geschlecht verwendet, was falsch ist. Zum Beispiel betitelt der Europarat die Webseite, von der man das Übereinkommen herunterladen kann, mit „gender matters“. Was aber zählt, ist das Geschlecht, nicht die Geschlechterrollen. Frauen werden vergewaltigt, weil sie Frauen sind, nicht, weil sie das Klo putzen oder Kinder betreuen.
Aus dieser Verwechslung kam wohl aus der Sexualwissenschaft der Begriff „gender identity“ auf, der aus feministischer Perspektive eine Worthülse ist. Der umstrittene Sexualwissenschaftler John Money prägte 1955 den Begriff „gender role“.
John Money ist bekannt wegen seines Experiments mit den Zwillingsbrüdern David und Brian Reimer. Einem der Zwillinge, David Reimer, musste nach einer missglückten Beschneidung der Penis abgenommen werden, er wurde als Mädchen großgezogen und mit weiblichen Hormonen behandelt. Das Ergebnis: David Reimer beging im Frühjahr 2004 Selbstmord.
John Money wollte mit diesem Experiment die soziale Wahlmöglichkeit des Geschlechts beweisen, was komplett misslungen ist. 1990 veröffentlichte die US-Philosophin Judith Butler im Buch Gender Troubles ihre Theorie über die „Perfomativität“ des Geschlechts: Das Geschlecht werde durch sprachliche Äußerungen sowie körperliche Handlungen konstituiert (also gender, Geschlechterrollen). Performativität siehe auch hier oder hier.
Diese Theorie ist das Gegenteil dessen, was der Feminismus im klassischen Sinne über Geschlechterrollen gesagt hat und immer noch fordert: Nämlich, dass man sie abschaffen muss bzw. dass alle Menschen das Recht haben sollten, sich davon zu befreien, weil sie ein Käfig bzw. eine Art Zwangsjacke sind, und dies für beide Geschlechter.
Was bedeutet also gender identity?
Dazu die Initiative „Geschlecht zählt“: „Gemeint ist nämlich das persönliche Empfinden bzw. der persönliche Wunsch, in welcher stereotypen, klischeehaften „Geschlechtsrolle“ eine Person ihre „Identität“ ausleben möchte – ganz unabhängig von ihrem Körper. Das heißt, wer sich als Frau oder Mann „fühlt“ und sich selbst als solche/r bezeichnet, könnte dann rechtlich auch direkt „Frau“ oder „Mann“ werden.“
Die Initiative weist korrekterweise auch darauf hin, dass im Deutschen „gender identity“ falsch übersetzt wird: Es sollte nicht mit „Geschlechtsidentität“ gleichgesetzt, sondern mit „Geschlechtsrollen-Identität“ übersetzt werden.
Transgender: „A Person who identifies with a gender that is different from their biological sex at birth“.
Hier erkennen die Autoren immerhin an, dass wir ein „biologisches Geschlecht“ haben. Natürlich, weil wir unser Geschlecht sind. Geschlecht ist untrennbar in unserem Körper, in jeder Körperzelle kodiert.
Die Autoren widersprechen sich aber, wenn sie den Begriff cisgender als „a person whose designed gender at birth matches their expressed gender“ definieren, denn bei der Geburt hat kein Neugeborenes irgendein „gender“.
Gender at birth bedeutet übersetzt „Geschlechterrollen bei der Geburt“. Werden Neugeborene mit so etwas wie Geschlechterrollen geboren – oder werden diese eher nach und nach gelernt, je nach Kultur und Epoche? Kinder lernen Geschlechterrollen aufgrund ihres Geburtsgeschlechts , sie werden ihnen mehr oder weniger unbewusst durch die Familie und die Gesellschaft beigebracht. Kein Mädchen wird mit dem Wissen geboren, dass sie z.B. den Kopf neigen und viel lächeln muss. Und kein Junge wird mit dem Wissen geboren, dass er unbedingt Fußball spielen muss.
Gender fluid: „A person who has no fixed gender or sexual identity and will switch between or embody different gender / sexual identities at different times“
Trifft diese Definition nicht auf uns alle zu? Wechseln Männer nicht zwischen der Pflege der betagten Eltern und der Führung eines Unternehmens oder einer Schule? Sind Frauen nicht mal Abgeordnete, Ministerinnen oder sogar Premierministerin und mal zwischendurch auch Mütter?
Der Begriff „gender fluid“ ist also ein weiteres Beispiel für eine nichtssagende Worthülse.
Non-binary: „Geschlecht zählt“ definiert diesen Begriff als „eine Selbstbezeichnung einer biologischen Frau oder eines biologischen Mannes, die oder der sich bewusst weder für eine männliche noch eine weibliche „Genderidentität“/Geschlechtsrolle entscheiden will.“
Aber: „Nicht-binär auf das körperlich-biologische Geschlecht bezogen kann niemand sein, da kein Mensch „nicht-geschlechtlich“ sein kann.“
Ist das nicht einleuchtend? Niemand kommt auf die Welt ohne Geschlecht, selbst DSD-Kinder nicht. (Kinder mit einer Störung in der Geschlechtsentwicklung (disorder of sex development)). Aktivisten beanspruchen auch nicht, „trinär“ zu sein z.B., obwohl man dieses Wort sehr wohl erfinden kann. Denn wir sind eine binäre Spezies, mit zwei Geschlechtern, die sich zum Zweck der Reproduktion ergänzen und gegenseitig bedingen.
Und genauso wie beim Begriff „gender fluid“- kann man sich fragen: Sind wir nicht alle ein bisschen „nicht binär“? Schminken sich Frauen nicht manchmal – und manchmal nicht? Weinen Männer nicht ab und zu, sind sie immer am Kämpfen und Bier trinken?
Cisgender: Wie wir gesehen haben, verwechseln die Autoren sex und gender. Eine weitere sinnlose Definition.
Deswegen sei hier wieder Geschlecht zählt zitiert: „Cisgender“ oder kurz „cis“ wird als Gegensatz zu „trans“ als Adjektiv für Frauen und Männer benutzt. Damit wird behauptet, es gäbe unterschiedliche Gattungen von Frauen und Männern sowie Mädchen und Jungen: solche, die „cis“ seien, und solche, die „trans“ seien. „Cis“ sollen demnach alle Menschen sein, die nicht „trans“ seien.“
(Den Begriff „Gattung“ verwendet „Geschlecht zählt“ hier nicht ganz korrekt, was die biologische Systematik anbelangt – korrekt wäre eher „Unter-Art“, „Unter-Geschlecht“ o.ä. Auch dieses Problem zeigt, dass in der Biologie die weitere Aufspaltung der Geschlechter der Art homo sapiens, Gattung: homo, Familie: Menschenaffen, in „cis“ und „trans“ nicht vorgesehen, weil nicht schlüssig ist.)
Das ergibt so viel Sinn, als würden Christen oder Muslime behaupten, sie wären eine weitere „Unter-Art“ innerhalb der Menschheit. Die Selbstbezeichnung „trans“ beruht auf den Glauben daran, dass der Mensch das eigene Geschlecht durch einen Sprechakt und, indem er oder sie gegengeschlechtliche Klischees ausdrückt, bestimmen kann.
Männer, die sich nicht schminken, und Frauen, die es tun, wären demnach „cis“.
Muss man diesen Unsinn glauben? Wir denken nicht.
Übung 2 – Drei Portäts
Diese drei Personen sollen eine sogenannte „gender courage“ aufweisen. Schauen wir uns genauer an, wer sie sind, und lassen Sie uns ihre Geschichte aus einer anderen Perspektive erzählen.